Dort flüchteten sie in einen Nebenraum und verschanzten sich hinter der Tür. Hinaus konnten sie nicht mehr, denn ihre bewaffneten Gegner haben die Tür belagert.
Die draußen haben irgendwann angeboten: „Kommt heraus, dann reden wir.“ Natürlich trauten die Eingeschlossenen sich nicht herauszukommen. Schließlich ließ der Graf von Kildare, der sich vor der Tür befand, mit Streitäxten ein Loch in die Tür hauen und streckte seinen Arm durch das Loch, dem Widersacher entgegen.
Damit war er komplett wehrlos und riskierte, dass man ihm den Arm abschlägt. Ich vermute, dass damals auf beiden Seiten der Tür alle den Atem anhielten. Mir geht diese Geschichte nach, seit ich die Tür zum ersten Mal gesehen habe.
Jesus hat mal gesagt: „Selig sind, die Frieden stiften.“ Genau genommen hat er gesagt: Selig sind, die Frieden „tun“. Also nicht nur darüber reden, sondern selbst etwas tun. Aktiv werden.
Wir haben das Dubliner Original aufgenommen und vor der Altarwand der Schriesheimer Kirche ebenfalls eine „Tür der Versöhnung“ aufgestellt.
Sie ist zwar keine 500 Jahre alt, hat aber doch auch schon über 100 Jahre auf dem Buckel und will uns während der vierzig Tage vor Ostern einladen, darüber nachzudenken:
Aufeinander zuzugehen kostet womöglich mehr Überwindung und mehr Mut als aufeinander loszugehen.
Ich hoffe und wünsche, dass die politisch Verantwortlichen dieser Welt genau diese Überwindung und diesen Mut aufbringen.
Und auch für mich persönlich nehme ich diese Herausforderung mit auf den Weg Ostern entgegen: Rede nicht nur über Frieden. Tu was dafür! Und was ist mit der Hand des Grafen an der Tür vor 500 Jahren geschehen? Der andere hat sie ergriffen. Der Friede hat am Ende gewonnen. Ich wünsche uns allen eine gesegnete Fastenzeit.
Ihr Ronny Baier