Wochenimpuls: Rechts und links
10.03.2026 |
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
wir alle kennen das Gefühl: Wir sind die Guten und die sind die Bösen. Leider richten sich nicht gerade wenige ein in ihrer Überzeugung, dass man richtig liege und die anderen es sind, die einen nicht verstehen. Und schon ist einer ein Nazi, obwohl er sich gar nicht so sieht, und eine andere eine Linksradikale, obwohl sie nur aus dem Grundgesetz zitiert. Was läuft da schief, dass so viele nicht zusammenkommen?
Eine Bekannte erzählte vor einigen Tagen, dass bei einer Veranstaltung ein Nachbar gesagt habe, dass er die Partei gewählt hat, die laut Verfassungsschutz rechtsextrem ist. Meine Bekannte hat sich immer gut mit dem Nachbarn verstanden und ist angesichts seiner Aussage erst einmal erschrocken. Und da sie offen und diskutierfreudig ist, wollte sie das verstehen und fragte entsprechend nach. Doch der Nachbar habe ihr geantwortet: „Warum soll ich mich rechtfertigen? Ich bin halt rechts und du bist links.“
Ich weiß nicht, ob die beiden seither doch noch ins Gespräch gekommen sind und sich darüber austauschen konnten. Inzwischen ist die Landtagswahl vorüber. Ich wundere mich. Geht es bei der Entscheidung für eine Partei, die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuft wird, um etwas so Lapidares wie darum, welche Brotsorte ich mag. Ich Roggen, Du Kürbiskern. Dabei geht es doch um viel mehr.
Die Aussage „Ich bin halt rechts.“ ist für mich so lange kein Problem, solange klar ist, was damit gemeint ist. Sie beinhaltet: Ordnung, Heimat, Tradition. Nichts dagegen. Dazu politische Positionen, die als konservativ gelten, und für mich ist das in Ordnung.
Für andere aber bedeutet rechts sein, andere auszuschließen und sie schlecht zu machen. Und das vielleicht, weil sie anders aussehen, anders glauben oder anders lieben. Das ist dann keine Heimat- und Traditionsliebe mehr, sondern Verachtung für all jene, die vermeintlich nicht dazugehören.
Mir macht das Angst, denn ich weiß ja nie, ob ich nicht selbst irgendwann zu denen gehöre, die verachtet werden. Mir als Christ geht es nicht zuerst um „rechts“ oder „links“, sondern allein darum, ob ein Mensch den anderen respektiert und seine Würde achtet - und zwar die Würde eines jeden Menschen ohne völkische, nationale, religiöse und kulturelle Eigenheiten. Das meint der Artikel 1 unsres Grundgesetzes. Ich glaube, dass Gott jeden Menschen nach dem Bild seines Wesens geschaffen hat, und wir deshalb Würde haben.
Daher muss man sehr achtgeben mit Aussagen wie: Wir sind die Guten und die sind die Bösen. Wir liegen richtig, die anderen verstehen uns einfach nicht…. Wo soll das enden? Demokratie funktioniert nur, wenn alle dazugehören. Wenn alle das Gefühl haben: Ich werde respektiert und ich werde gebraucht. Ich frage mich mehr denn je: Kommen wir nochmal zusammen als Gesellschaft? Dass aus „wir“ und „die“ einfach ein „wir“ wird. Das wäre gut.
Ihr Ronny Baier