Wochenimpuls: Der patriotische Erlöser

21.04.2026 |

Liebe Leserinnen und Leser,
Präsident Donald Trump, der Jesus gleich einem Kranken die rechte Hand auflegt und ihn heilt. Zugleich leuchtet in der linken ein strahlendes Licht auf. Eine Anspielung auf Jesu Satz „Ich bin das Licht der Welt“? 
(Der Artikel bezieht sich auf das KI-generierte Bild, das Donald Trump in den sozialen Medien verbreitete und nach den Kritiken gelöscht wurde; man findet es bspw. noch unter https://www.tagesschau.de/ausland/europa/papst-trump-106.html)

Mich wundert inzwischen gar nichts mehr, was den amerikanischen Präsidenten angeht. Dieses KI-generierte Bild passt zu diesem narzisstischen Menschen und macht mich zugleich wütend darüber, dass sich ein solch korrupter Mensch mit Jesus vergleicht, dem es um nichts anderes ging als um den Menschen und sein Heil. 
Donald Trump geht es dagegen nur um sein Ego, sein Bankkonto und den Einfluss seines Clans. Mit diesem Bild wurde gezielt die christliche Ikonografie aufgegriffen, um Trump als Heilsbringer zu inszenieren. Für mich einfach nur geschmacklos.
Und jetzt greift der selbsternannte „Heiland“ auch noch Papst Leo XIV. an, weil dieser sich erlaubt hat, lautstark seine Stimme für den Frieden zu erheben. Donald Trump glaubt ernsthaft, dass der Papst ihm Loyalität und Dank schuldet, da er ja nur wegen seiner Nationalität Papst geworden sei und die Mitglieder des Konklave davon überzeugt waren, dass man so besser mit Trump umgehen könne. Zitat: "Wenn ich nicht im Weißen Haus wäre, wäre Leo nicht im Vatikan". 
Wer, wenn nicht der Papst, darf die sinnlose und unmenschliche Gewalt im Nahen Osten anprangern. Gerade auch mit Blick auf den Libanon, Gaza und das Westjordanland. Die Regierung Netanjahu destabilisiert im Windschatten des US-Präsidenten das politisch eh schon fragile Nachbarland, zerstört dessen Infrastruktur und terrorisiert dessen Zivilbevölkerung weit über die berechtigte Abwehr von Angriffen der Hisbollah hinaus. Und auch im Westjordanland tritt die israelische Regierung die Rechte der Palästinenser mit Füßen. Vertreibungen, Enteignungen, die Zerstörung von Feldern und Olivenhainen, Angriffe und Morde seitens radikaler jüdischer Siedler sind traurige Realität. Zurecht sagte der Papst im Petersdom: "Genug des Krieges!"
Auf dem Weg nach Algerien wies Leo XIV. noch im Flugzeug Trumps Kritik zurück. „Ich fürchte weder die Trump-Regierung noch das offene Aussprechen der Botschaft des Evangeliums“. Zudem betonte er, dass er kein Politiker sei und sich deshalb auch nicht auf eine Debatte mit Trump einlassen werde.
Ich spreche mich weiterhin entschieden gegen den Krieg aus, setze mich für Frieden ein und fördere Dialog und Multilateralismus mit Staaten, um Lösungen für Probleme zu finden.“ Der Papst weiß darum, dass zu viele Menschen heute unter Kriegen leiden und zu viele Unschuldige getötet werden, um fragliche Ziele durchzusetzen. Zurecht sagt er: „Ich glaube, jemand muss aufstehen und sagen, dass es einen besseren Weg gibt“. Damit stellt sich der Papst mit der Macht des leisen Wortes gegen die Macht von Drohungen, Militärs und Wirtschaftsmaßnahmen, wie sie Trump verkörpert. Er ist einfach brillant, wie der Papst mit wenigen Sätzen die Luft aus der Trumpschen Rhetorik herauslässt. Katholische Demokraten wie Republikaner sind entsetzt über Trumps emotionalen Ausbrüche gegen den Papst. 
Einen Papstbesuch in den USA wird es wohl, solange Trump Präsident ist, nicht geben. Papst Leo XIV. hat es in seinem ersten Amtsjahr geschafft, die bis dato tief gespaltene katholische Kirche in den USA bezüglich der beiden Themen Abschiebungspolitik und Ablehnung von Kriegen hinter sich zu vereinen. Das belegt auch ein Fernsehinterview am 12. April in der meistgesehenen Nachrichtensendung des Landes „60 Minutes“. Die Sendung war das erste gemeinsame Fernsehinterview der Kardinäle Blase Cupich aus Chicago, Robert McElroy aus Washington und Joseph Tobin aus Newark – und stellte eine katholische Anklage gegen den Iran-Krieg der Regierung und ihre Durchsetzung der Einwanderungsgesetze dar. Die drei Kardinäle schrieben dabei dem ersten US-amerikanischen Papst das Verdienst zu, ihren eigenen moralischen Kompass zu schärfen. Wen wunderts, dass Trump vor Wut kochte und auf seinem Nachrichtenportal Truth Social gegen den Papst austeilte. Als er dann nur Minuten später das oben zu sehende Bild veröffentlichte, dauerte es nur wenige Stunden, bis es nach einem Sturm der Entrüstung seitens evangelikaler Führungspersönlichkeiten verschwunden war. Die Äußerungen gegen den Papst dagegen blieben auf Truth Social stehen. Das zeigt mir, dass Katholiken in der MAGA-Bewegung nichts zu sagen haben. Aber sie sind noch immer der größte religiöse Block in den USA. Und Papst Leo hat die moralische Aufmerksamkeit von mehr Amerikanern als jede gewählte Amtsperson im Land. Und Sonntag für Sonntag erreicht er in den 17.000 katholischen Pfarreien in den USA die Menschen und nutzt gleichsam die Kanzel, um die Wahrheit über Luftbombardierungen, Massenabschiebungen und die Würde der menschlichen Person zu sagen. Amerikas Katholiken merken sich in immer größerer Zahl die Angriffe der US-Regierung auf ihren Papst. Gebe Gott, dass sich das an jeder Wahlurne zwischen jetzt und 2028 zeigt.
 
Ihr Ronny Baier