Wenn ich dieser Tage in mein Email-Postfach, auf meinen Schreibtisch oder in mein altes Büro im Pfarrhaus von St. Laurentius in Weinheim schaue, dann spüre ich, dass mein inneres und äußeres Chaos sich nach Ordnung sehnt.
Aus dem Feuerwehreinsatz weiß ich, dass eine anfängliche Chaosphase ganz normal ist, aber die zunehmende Strukturierung durch sachgerechte Entscheidungen zur Gefahrenabwehr dazu führt, das Chaos nach und nach in eine Ordnung zu überführen, in der jede und jeder an der zugewiesenen Stelle einen wichtigen Beitrag zum Gesamterfolg leistet. Diese Chaosphase kann je nach Situation und den zur Verfügung stehenden Ressourcen mal länger und mal kürzer sein. Das gilt auch für unseren Transformationsprozess der Kirchenentwicklung. Vieles ist gleichzeitig in Bewegung geraten und führt an vielen Stellen zu temporären Systemüberlastungen und -ausfällen. Besonders die Umstellung der IT führt uns das derzeit sehr plastisch vor Augen. Manchmal ist dabei das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht bestimmend, verbunden mit der Frage, wie das bloß werden soll. Dabei macht uns Gott mit der biblischen Schöpfungsgeschichte doch eigentlich exemplarisch vor, wie Chaos mit einer gewissen Gelassenheit in Ordnung überführt werden kann. Dem Urchaos gibt er Struktur, indem er nach und nach schafft. Er schafft nicht alles auf einmal, quasi mit einem Fingerschnips. Er schafft Tag für Tag eines nach dem anderen. So entsteht eine lebendige, sich selbst steuernde Struktur, die nicht im Chaos versinkt, sondern die Grundlage dafür bildet, dass aus neuem Chaos auch immer wieder neue Struktur erwachsen kann. Nicht alles auf einmal tun und nicht alles auf einmal denken. Sehen, dass das, was getan wurde, gut war und zur Stabilisierung der Lage beigetragen hat kann uns helfen, persönliche Überforderungen in gemeinsamer Solidarität mitgetragen zu wissen, die am Ende ein lebendiges Wir ermöglicht. Und Gott hat nicht nur geschafft. Am 7. Tag ruhte Gott, er sah alles an, was er gemacht hatte und er sah, dass es sehr gut war. Es braucht also die ruhigen Momente, die Zeit für das Innehalten und den Rückblick, um die Ordnung im erlebten Chaos wahrnehmen zu können. Es braucht Zielperspektiven und Hoffnungsbilder, es braucht Solidarität und Gemeinschaft, es braucht Kommunikation und Austausch und manchmal braucht es Pragmatismus und Esprit um dem Chaos Ordnung abzuringen. Und es bleibt eine Zumutung, das Chaos manchmal auch einfach aushalten zu müssen, ohne die neue Ordnung schon erkennen zu können. So war es eine Zumutung für die Jüngerinnen und Jünger Jesu nach seinem Tod nicht zu wissen, wie es weitergehen wird. Der Karsamstag ihres Lebens mit Jesus führte sie in die neue Ordnung des Lebens mit der Botschaft des Auferstandenen, die nicht Chaos zurückließ, sondern ihnen verhieß: Es wird Leben sein! So darf auch ich, bei allem was im Augenblick noch fraglich und ungelöst scheint, darauf vertrauen, dass in jedem Chaos der Ansatz zu neuem Leben steckt, auch wenn ich die neue Ordnung auf meinem Schreibtisch jetzt noch nicht erkennen kann.