Wenn ich dort lese und höre, wie sie entwürdigend reden über andere, dann erlebe ich in mir eine regelrechte Beklemmung. Und die „anderen“ – die sind irgendwie austauschbar. Mal sind es Menschen mit Migrationshintergrund, mit einer anderen Hautfarbe als Weiß. Ein andermal sind es nicht heterosexuelle Personen, Menschen mit Behinderung.
Mir wird schlecht, wenn jemand in Interviews und Kommentaren andere herabwürdigt oder auch die Demokratie verachtet. Manche Szenen schaue ich mir trotzdem wieder und wieder an. Und dann ploppt Hape Kerkeling am Bildschirm auf. Mal nicht der witzige Komiker, sondern ernst. Und ich werde nachdenklich, als er bei seiner Rede zur Verabschiedung von Nobert Lammert als Vorsitzender der Konrad Adenauer Stiftung davon spricht, dass wir alle Zuschauer und Zuschauerinnen der Demokratie seien. Doch das reicht eben nicht, weil Demokratie kein Konsumgut ist, das von allein läuft. „Die Zeiten der gemütlichen Zuschauer-Demokratie ist vorbei. Das gleichgültige Schulterzucken der Mitte ist heute vermutlich der größte Feind der Freiheit.” Das heißt: für den Erhalt der Freiheit müssen die Bürger aktiv einstehen. Die Demokratie braucht uns alle. Was so selbstverständlich scheint: Freiheit in dem Land, in dem wir leben – ist eben nicht selbstverständlich.
Und was gerade geschieht und wächst in unserem Land, das ist nicht harmlos. Nicht gleichgültig werden. Nachdenken. Mitfühlen. Die Stimmen der Gewalt sollen sich nicht breitmachen, sondern solche wie Hape Kerkeling. Die sollen laut werden. Das wünsche ich mir jedenfalls. In Gottes Namen und aus Liebe zur Freiheit.
Ihr Ronny Baier