Wochenimpuls: Gott will es – wirklich?

15.09.2026 |

Liebe Leserinnen und Leser,
„Deus lo vult“, „Gott will es“, so soll Papst Urban II. am 27. November 1095 in einer Predigt gesagt haben, um damit den Ersten Kreuzzug zu begründen. Lange galt dies als abschreckendes Beispiel einer unheiligen Verbindung von Religion und Politik. 

Da erstaunt es, dass der US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich selbst „Kriegsminister“ nennt, „Deus Vult“ auf seinem Oberkörper tätowiert hat – neben einem Jerusalemkreuz. Hegseth ein Kreuzritter? In einem Buch schrieb der damalige Fox News -Moderator „Bei unserem amerikanischen Kreuzzug geht es nicht um wirkliche Schwerter, und unser Kampf wird nicht mit Schusswaffen geführt. Noch nicht“. Hegseth bezog sich dabei vor allem auf den politischen Kampf. Konservative müssten „unsere linken Gegner verspotten, demütigen, einschüchtern und vernichten“. Und Hegseths Amtsführung zeigt eindrücklich, dass diese martialischen Worte vor Beginn seiner politischen Karriere nicht nur so daher gesagt waren. Für ihn gehören Gewalt und Glaube zusammen. 
So postete der Kriegsminister ein Video, in dem er zunächst mit gesenktem Haupt vor seinen Soldaten steht und das Vaterunser beginnt, im Hintergrund hört man dramatische Musik. „Dein Reich komme, dein Wille geschehe“, betet Hegseth, während Kriegsschiffe der US Navy, ein F-16-Kampfflugzeug und ein Panzer eingeblendet werden. Das Militär als Werkzeug des Willens Gottes. Mir macht das Angst. Das ist christlicher Nationalismus in Reinkultur.
Seit Mai letzten Jahres feiert Hegseth monatliche Gottesdienste direkt im Pentagon. Im März diesen Jahres betete er in einem solchen Gottesdienst: „Möge jede Kugel ihr Ziel gegen die Feinde der Gerechtigkeit und unserer großen Nation finden“, und ein Militärgeistlicher segnete dabei das Spezialkommando, das den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführte: „Gib ihnen Weisheit in jeder Entscheidung, Ausdauer für die bevorstehende Prüfung, unzerbrechliche Einheit und überwältigende Gewalt gegen diejenigen, die keine Gnade verdienen.“ 
Hegseth führte früher ein Leben, das kaum zu einem christlichen Vorbild taugt. Er hatte Affären, zwei Ehen scheiterten, in seiner heutigen Patchworkfamilie leben sieben Kinder, davon vier von Hegseth aus zwei Ehen. 
Seine „Bekehrung“ erfuhr er 2018, als er nach Tennessee zog und dort Mitglied einer Gemeinde wurde, die zur „Congregation of Reformed Evangelical Churches“ gehört, einem Verband, dessen Gründer der Pastor Douglas Wilson ist. Genau der bezeichnet sich selbst als „christlichen Nationalisten“. 
Kritiker werfen ihm vor, die amerikanische Sklaverei zu verharmlosen und zu relativieren. Was Wilson zum Geschlechterverhältnis sagt, das verschlägt mir aber regelrecht die Sprache. In seinem Buch Fidelity steht: „Ein Mann penetriert, erobert, kolonisiert, sät. Eine Frau empfängt, ergibt sich, akzeptiert“. Klar steht Wilson nicht für die Mehrheit der Christen in den USA, und selbst die, welche sich zu einem christlichen Nationalismus bekennen, sind bei weitem nicht so radikal wie Wilson. Doch erstaunt es, dass so wenig gerade Evangelikale bei Menschen wie Trump und Hegseth kein ungutes Gefühl haben.
Aber es gibt ihn, den Gegenwind, etwa aus Rom. Papst Leo sagte am Palmsonntag über Gott: „Er hört nicht auf die Gebete derer, die Krieg führen, sondern weist sie zurück und sagt: ‚Auch wenn ihr viele Gebete sprecht, werde ich nicht hören: Eure Hände sind voller Blut.´“ Das konnte man durchaus als Ansage an Hegseth und Trump zu verstehen, die ihre Kriege mit dem Willen Gottes rechtfertigen und dabei so viele Menschen ins Unglück stürzen. Und auch Ex-Vizepräsident Mike Pence übte bereits über das Medium „Christianity Today“ heftige Kritik an der US-Regierung. Und der angesehene baptistische Theologe und Pastor John Piper twitterte bereits letztes Jahr: „An Donald Trump und Elon Musk und jeden anderen Republikaner, Demokraten und Unabhängigen sowie jeden Menschen auf dem Planeten Erde: ‚Wer das Reich Gottes nicht annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen.‘ Lukas 18,17.“ Von daher kann ich nur sagen, dass es gewiss nicht Gottes Wille ist, was Trump, Hegseth und Co. propagieren und politisch umsetzen. 
 
Ihr Ronny Baier