Taize Fahrt 2026
Am Samstag, den 23. Mai, machten wir uns mit ca. 40 Jugendlichen aus der Stadtkirche Heidelberg und Umgebung auf den Weg nach Taizé. Die Communauté de Taizé ist ein von Frère Roger gegründeter ökumenischer und internationaler Männerorden, der jährlich von mehr als 100.000 Pilgern und Jugendlichen besucht wird – von Menschen, die auf der Suche sind. Auf der Suche nach Gott. Manche aus unserer Gruppe waren schon häufig dort gewesen. Für viele war es das erste Mal. So auch für mich und meine Freunde, die wir wie einige andere auch im Rahmen der Firmvorbereitung mitfuhren.
Nach einigen Stopps, darunter in Karlsruhe und Freiburg, erreichten wir gegen 8 Uhr abends unser Ziel.
Wir verpassten zwar das Abendessen, kamen jedoch gerade noch rechtzeitig zum Abendgebet. Als wir die Kirche betraten, war ich zunächst beeindruckt von der schieren Größe des Raums: Mehrere Tausend Menschen können in der Versöhnungskirche Platz finden. Beeindruckend war auch die Atmosphäre, die hier herrschte, die vielen Menschen, die schweigend auf den Beginn der Andacht warteten. Sehr schön war dann der Moment, als das erste Lied angestimmt wurde. Ein Klang von tausend Kehlen durchbrach die Stille. Ich schloss kurz meine Augen und ließ ihn ganz auf mich wirken. Er füllte den gesamten weiten Raum aus und verursachte in mir ein tiefes Gefühl der Geborgenheit. Ich merkte, dass es nicht bloß die Melodie, Tonfülle oder Texte waren, deren Schönheit mich ergriff, sondern dass mir im gemeinsamen Gesang etwas Altbekanntes begegnete – jedoch in neuer Stärke. Ich spürte die Anwesenheit des Heiligen Geistes so intensiv wie schon lange nicht mehr. Da in Taizé jede Woche Ostern gefeiert wird, war die Abendandacht an diesem Samstag umso besonderer. Am Eingang der Kirche waren Kerzen verteilt worden, welche im Verlauf des Gottesdienstes entzündet wurden. Dafür verteilten mehrere Brüder, Helfer und Kinder das Licht der Osterkerze an die Gemeinde. Nachdem man es erhalten hatte, gab man sein Feuer an einen Sitznachbarn weiter – genau wie in unserer Osternacht. Es war schön zu sehen, wie der Innenraum der Versöhnungskirche mit jeder entzündeten Kerze heller und heller wurde.
Die Präsenz des Heiligen Geistes durfte ich nicht nur in dieser, sondern in jeder Andacht aufs Neue erfahren – im Gesang wie in der Stille sowie auch in der Gemeinschaft außerhalb der Gebetszeiten und Kirchenmauern. An diesem Ort zu sein, der den Heiligen Geist wie kein anderer ins (liturgische) Zentrum rückt, war wohl eine der schönsten Möglichkeiten überhaupt, Pfingsten zu feiern.
Nach Ende der Abendandacht war es etwa 21:30 Uhr. So schön diese auch gewesen war, mussten wir immer noch unser Zelt aufbauen – und es wurde schon dunkel. Darüber hatten sich die meisten anderen in unserer Gruppe, welche in den Baracken schliefen, keine Sorgen machen müssen. Zu je zwölft haben diese, teils mit fremden Leuten, in den nicht abschließbaren Baracken geschlafen. Wir malten uns aus, wie es wäre, mit einem lautstarken Schnarcher in einem Zimmer schlafen zu müssen, und waren froh, unser geräumiges Fünfmannzelt zu haben. Die Diskussion, welche der beiden Optionen nun die bessere sei, war über die gesamte Zeit hinweg ein beliebtes Gesprächsthema unter Mitreisenden. Doch egal ob Zelt oder Baracke, eines ist immer gleich: In Taizé lebt es sich einfach. Das ist schön, doch an manches muss man sich auch gewöhnen.
Trotz Dunkelheit und fehlender Erfahrung gelang es uns mit etwas Geduld und Rumprobieren schlussendlich, unser Zelt aufzubauen. Glücklicherweise hatten wir danach noch genug Zeit, um den restlichen Abend am Oyak, dem zentral gelegenen Treffpunkt und Kiosk, zu verbringen. Jeden Abend wurde sich hier unterhalten, gesungen, Gitarre gespielt, getanzt und Spiele gespielt. An einigen Abenden hatten meine Freunde und ich auch unsere Gitarre dabei – wie auch an diesem ersten Abend. Eine größere Gruppe aus Österreich gesellte sich zu uns, die ihren letzten Abend gemeinsam ausklingen lassen wollte. Abwechselnd spielte ich mit einem der Tiroler auf der Gitarre und alle sangen mit. Bis zum Schließen des Oyaks um 23:30 Uhr sangen wir alle möglichen Mitsing-Songs, von Ed Sheeran und Coldplay bis hin zu Country-Klassikern. Die Stimmung war wirklich toll und wir verstanden uns super. Darum stimmte es uns auch etwas traurig, dass die Tiroler schon am nächsten Tag abreisen würden.
Nun war es Zeit, ins Bett zu gehen. Die Bäume rauschten und der Mond stand hell über der hügeligen Landschaft. Es kehrte Ruhe ein in Taizé.
Am nächsten Morgen begann der Tag etwas anders als sonst, nämlich mit dem Frühstück. Anstatt der regulären Morgenandacht vor dem Frühstück gibt es sonntags nämlich eine große Eucharistiefeier um 10 Uhr. Was jeden Morgen aber gleich war, war die Zusammensetzung des Frühstücks: Jeder bekam ein Brötchen, dazu Butter, etwas Schokolade und als Heißgetränk Tee oder Kakao. Gestärkt konnte es dann in den Gottesdienst gehen, die Pfingstmesse. Vom Ablauf her war diese nicht großartig anders als die sonstigen Gottesdienste, aber es war sehr schön, das Pfingstfest an diesem besonderen Ort, der den Heiligen Geist so in den Mittelpunkt rückt, zu feiern. Nach dem Mittagessen um 13 Uhr wurden wir und alle anderen Neuankömmlinge dann um 15:30 Uhr von Bruder Mathias herzlich willkommen geheißen und erhielten die wichtigsten Informationen für unseren Aufenthalt in Taizé. Wir erfuhren zudem, dass außer uns noch viele weitere Jugendliche aus Baden-Württemberg sowie Bayern angereist waren. Auch eine Gruppe aus Schweden war dabei. Auch bekamen wir unsere Arbeit zugeteilt. Jeder muss hier mit anpacken. Unsere Aufgabe war es, den Abwasch nach dem Abendessen zu machen. An insgesamt acht Wannen spülten wir Tabletts, Teller, Trinkschüsseln und Besteck. Allzu appetitlich war das nicht immer, aber zumindest herrschte dabei eigentlich immer gute Stimmung. Häufig sangen wir dabei – besonders häufig: Griechischer Wein.
Der Montag begann dann wieder regulär mit der Morgenandacht. Ich fand es sehr schön, den Leib Christi als erste Sache des Tages zu empfangen, noch bevor man etwas gegessen hatte. Irgendwie war ich so klarer im Kopf und war gänzlich bei der Eucharistiefeier. Nach der Messe ging es zum Frühstück. Anschließend stand um 10 Uhr die Bibeleinführung mit Bruder Matthias an. Jeden Morgen sahen wir uns eine Passage aus dem Johannes-Evangelium an. Dabei spannten wir über die Woche hinweg den Bogen vom ersten Wunder, das Jesus tat, der Weinwandlung in Kana, bis hin zu seinem Sterben und Auferstehen. Auf den dazu ausgeteilten Arbeitsblättern standen Fragen, über die wir reflektieren sollten. Bruder Matthias erläuterte die biblischen Geschehnisse in einer sehr einfachen und verständlichen Weise. Ich merkte, dass ich auf diese Weise den Inhalt und die Bedeutung der Bibeltexte sehr gut nachempfinden konnte und dass die Evangelien viel greifbarer sind, als mir zuvor bewusst war.
Für den Nachmittag wurden wir alle dann in besagte Bibelgruppen eingeteilt, um uns in diesen mit den Bibeltexten näher auseinanderzusetzen. In der Gruppe von meinem Freund Martin und mir waren zudem zwei Mädchen aus Bayern und drei Mädchen aus Schweden. Unsere Gruppenleiterin, Conni, kam aus Rastatt. In dieser Gruppe verbrachten wir die Nachmittage, meist auf einer Picknickdecke im Schatten unter einem Baum. Wir redeten zunächst über den Text und die Impulsfragen auf dem Arbeitsblatt.
Manchmal redeten wir auch über völlig andere Themen. Danach spielten wir dann meist noch ein Spiel. Z.B. das Spiel Mafia, das ähnlich wie Werwolf funktioniert. So verbrachten wir viele schöne Nachmittage zusammen und tauschten uns über Gott und die Welt aus. Nach der Bibelgruppe genossen wir unseren freien Restnachmittag. Häufig gingen wir um 17 Uhr zum Nachmittagstee. Hier bekam man einen Becher Eistee und dazu ein süßes Teilchen. Nachdem wir den restlichen Nachmittag mit Ball- oder Volleyballspielen verbracht hatten, ging es danach zum Abendessen. Wir bekamen immer als Erste zu essen, da wir ja den Abwasch machen mussten. Danach ging es weiter zur Abendandacht, die auch ohne Kerzenlicht schöner fast hätte nicht sein können. Nach dieser blieben die Menschen noch lange in der Kirche, um gemeinsam zu beten und zu singen. Für uns ging es nach der Andacht zum Oyak. Hier sorgte nun der schwedische Gruppenleiter für gute Stimmung. Er animierte alle, bei seinen Tanz- und Singspielen mitzumachen. Es war sehr amüsant und alle hatten eine gute Zeit dabei. Wenn die Belastbarkeit der Stimmbänder des schwedischen Gruppenleiters dann irgendwann ausgereizt war, stellten die Schweden für den Rest des Abends ihre große JBL-Box auf und das Singen und Tanzen ging weiter. Egal ob Justin Bieber oder Backstreet Boys, „Bella Napoli“ oder der französische WM-Song von 2018 – alle sangen und tanzten mit.
Viel zu schnell kam das Ende unserer achtägigen Reise, als wir am 31. Mai schweren Herzens abreisten. Auf manche Privilegien, die man zuhause genießt, freute ich mich aber natürlich auch. Vor allem auf besseres Essen. Die Zeit in Taizé empfand ich als sehr wertvoll. Ich habe viel über mich, Gott und christliche Gemeinschaft gelernt sowie darüber, dass weniger mehr sein kann. Noch im Bus reflektierte ich über die zahlreichen schönen Momente, die ich dort erleben durfte, die vielen tollen Menschen, die ich kennenlernen durfte sowie die tiefgründigen Erkenntnisse, die ich in der Zeit dort über mich und meinen Glauben gewonnen habe.
Für mich steht eines fest: Nach Taizé komme ich wieder.
Bericht Taizé Paul Breitenfelder






