Gemeindereferentin Carmen Lenner

10.06.2026 | 40 Jahre im Weinberg Gottes

Am Pfingstmontag durfte ich Carmen Lenner, unsere Gemeindereferentin, als Leitender Referent der Pfarrei St. Marien Weinheim nach 40 Berufsjahren aus dem aktiven hauptberuflichen Dienst in der Erzdiözese Freiburg verabschieden. 40 Jahre sind eine wahrlich lange Zeit bei einem Arbeitgeber. 

Ich kenne Carmen Lenner inzwischen schon einen Großteil dieser Zeit persönlich, wenn auch nicht immer im direkten Kontakt, so doch zumindest aus gemeinsamer Dekanatszugehörigkeit. Umso mehr war es mir eine Freude, dass ich sie und ihre Arbeit als ihr neuer und letzter Dienstvorgesetzter wertschätzen durfte.
 
40 Jahre wanderte das Volk Israel durch die Wüste bis das gelobte Land endlich erreicht war. Und 40 Jahre hat Carmen Lenner mit ihrer Kirche neben Wachtel- und Mannamomenten sicher auch viel Wüstenerfahrung gemacht. Dabei hat sie nie um das Goldene Kalb getanzt und sich nicht von ihrem Weg mit Gott und der Kirche abbringen lassen.
 
In Schefflenz wuchs sie ohne die Erfahrung nennenswerter Jugendarbeit auf. Trotzdem hat sie schon früh gewusst: „Was meine Reli-Lehrerin macht, das will ich auch mal machen, wenn ich groß bin.“ Diesen Weg hat sie letztlich konsequent verfolgt und ihr Heimatpfarrer hat sie auf den Weg zur Gemeindereferentin gebracht. Schließlich war sie nicht nur Reli-Lehrerin, sondern auch noch Sakramenten-Vorbereiterin, Gottesdienst-Leiterin, Trauerbegleiterin, Jugendarbeiterin und Begleiterin von Menschen in persönlichen Krisensituationen, Ansprechperson und gute Freundin. Daneben wird es meiner Erfahrung nach viele Tätigkeiten gegeben haben, die in keiner offiziellen Stellenumschreibung auftauchen, aber so nebenher halt mitgemacht werden, weil es sich so ergibt oder niemand anders gerade da ist.
 
Gestartet ist Carmen Lenner von 1983-1986 im Seminar für Gemeindepastoral und Religionspädagogik in Freiburg. Nach dem Studium war dann die erste Stelle von 1986-1991 in der Pfarrei St. Antonius Pforzheim, ehe es 1994 in die Pfarrei St. Laurentius Kronau ging. 1994 ist sie schließlich in die Pfarreien Hl. Kreuz Heiligkreuzsteinach, St. Michael Schönau und St. Bonifatius Wilhelmsfeld versetzt worden. Das war damals noch keine Seelsorgeeinheit, aber inoffiziell wurde hier schon einiges gemeinsam gemacht. Später vereinten sich die Pfarreien zur Seelsorgeeinheit Steinachtal St. Hildegund, ehe Carmen Lenner zuletzt auch noch die Unionierung zur Pfarrei St. Marien Weinheim miterleben durfte.
 
Besonders wichtig war Carmen Lenner immer die Einzelseelsorge und das Wort Gottes zu verkünden und zu leben. Das hat sie 40 Jahre authentisch, empathisch und mit Bravour gemacht. Dabei war ihr die Rolle der Frau in der Kirche stets eine wichtige Frage, die sie durch ihr Wirken positiv gestaltet und im Rahmen ihrer Möglichkeiten weitergebracht hat.
 
Persönliche Krisen haben sie wachsen lassen. Ihre Ausbildung zur Exerzitien-Begleiterin ist dafür ein sprechender Beweis. In dieser Aufgabe begleitet sie Menschen wertschätzend, richtet sie auf und bestärkt sie. Und Carmen Lenner ist bei der Kirche geblieben, auch durch Wüstenzeiten hindurch, weil sie durch diese Kirchen-Schatzkiste – und hier schließe ich etwas an ihre eigenen Gedanken an – mit dem in ihr über 2000 Jahre hinweg transportierten Glaubensschatz in Berührung gekommen ist.
 
Carmen Lenner hat in ihrem Leben einen Dreiklang entdeckt, den sie jungen Kolleginnen und Kollegen heute empfehlen könnte, um aus dem Brennen für den Glauben kein Ausbrennen an den Strukturen werden zu lassen:
Zeit für mich – Zeit für Gott – Zeit für andere
Dieser Dreiklang trägt sie und sie strahlt diese Haltung für mich in ihrer meist stillen aber konsequenten Art spürbar aus.
 
Nach 40 Jahren Arbeitsleben würde Carmen Lenner den Beruf jederzeit wieder wählen, wie bald im Interview mit ihr und Iris Reinhardt zu lesen sein wird. Das zeugt davon, dass in 40 Jahren Wüstenwanderung doch auch viele Blüten und Beziehungen wachsen, die über die beruflich aktive Zeit hinausreichen und ihren Ruhestand hier bunt machen werden. Auch ich freue mich darauf, dass wir uns weiterhin begegnen können.
 
Ich wünsche Carmen Lenner ein ruhiges Ankommen in der neuen Lebensphase und eine wache Wahrnehmung für das, was die Zeit mit ihr macht.
 
Herzlichen Dank
für ihr gelebtes Engagement, ihr segensreiches Tun und ihre spirituelle Verbundenheit mit der Gottesbegegnung. Die Geistkraft begleite Carmen Lenner in der neuen Lebensphase mit lebendiger Segenserfahrung.
 
Wolf-Dieter Wöffler
Leitender Referent