Wocheninpuls: Subiaco
29.09.2026 |
Liebe Leserinnen und Leser,
in der ersten Septemberwoche war ich im Rahmen einer Studien- und Pilgerreise der Gemeinde in Rom. An einem Tag führte unser Weg Richtung Osten aus der Stadt hinaus ins Tal des Aniene zu Füßen der Simbruiner Berge, um in Subiaco das Kloster San Benedetto zu besuchen, welches über der Höhle (Sacro Speco) des Heiligen Benedikt erbaut wurde und sich wie ein Schwalbennest an eine Felswand klammert.
Um das Jahr 500 zog sich der Begründer des abendländischen Mönchtums, Benedikt von Nursia, als Einsiedler dorthin zurück, nachdem er dem „verkommenen“ Stadtleben Roms den Rücken gekehrt hatte. Dort im Felsenkloster von Subiaco findet sich auch die älteste Darstellung des heiligen Franz von Assisi, der den Ort wohl mehrfach besucht hat. Das Bild zeigt ihn ohne Heiligenschein und ohne Wundmale und nennt ihn „FR“, sprich Frater (Bruder) Franziskus. Dies ist ein Hinweis darauf, dass das Bild zu Lebzeiten des Heiligen entstand und der Wirklichkeit sehr nahekommt.
Am 4. Oktober gedenkt die Kirche seines 800. Todestags. Franz von Assisi fasziniert mich. Die Kirche verehrt ihn als Heiligen. Dabei sieht sein Leben zunächst alles andere als heilig aus. 1182 wird er geboren und ist ein reicher Zögling, der sich gönnt, was er will, und verschwenderisch mit seinen Privilegien umgeht. Erst später kommt die große Kehrtwende. Franz entdeckt die Einfachheit und lernt das Staunen über und die Ehrfurcht vor der Schöpfung Gottes. Er begreift den Menschen als Teil der Kreatur und die Erde nicht als etwas, das man einfach verbraucht, sondern als etwas, das uns anvertraut ist. 800 Jahre vor unserer modernen Ökologiebewegung wird er so zu einem echten Natur- und Tierliebhaber. Vielleicht ist Franz gerade deshalb heute wieder aktuell.
Manchmal denke ich, dass wir dem früheren Ich des Heiligen ähnlicher sind, als uns lieb ist. Auch ich bin Zögling eines Wohlstands, den ich nur zum Teil erarbeitet habe, der aber auch viel an Ressourcen kostet. Anders als Franz von Assisi spüren wir heute die Folgen davon deutlich. Eine Gluthitze wie in diesem Rekordsommer sollte uns zu denken geben.
Und trotzdem fällt es auch mir schwer, meinen eigenen Lebensstil wirklich zu verändern. Der Besuch im Kloster San Benedetto in Subiaco und die Begegnung mit den Heiligen Benedikt und dem Heiligen Franziskus und deren einfachen Leben regte mich dazu an, auch über mein eigenes Leben nachzudenken. Läuft eigentlich alles so, wie ich mir das wünsche für mich und meine Umwelt? Wohl kaum. Ich gönne mir den Kaffee to go und neue Klamotten und auf meinen Urlaub verzichte ich auch nicht. Und ich war beim Thema Klima und Umweltschutz auch schon motivierter.
Was mich an Benedikt und Franz beeindruckt, ist ihre Kehrtwende. Beide zeigen, dass Veränderung möglich ist. Nicht, weil plötzlich alles einfacher wird. Sondern weil sie den Mut hatten, neu anzufangen. Genau das nehme ich aus Subiaco mit. Und nein, ich werde jetzt nicht wie Franziskus damals meine Kleider zerreißen. Ich werde weiter Urlaub machen und Kaffee trinken.
Aber ich will hin und wieder innehalten und ehrlich auf mein Leben schauen. Was ist mir wichtig? Was möchte ich bewahren? Und wo möchte ich ehrlich umdenken? Veränderung beginnt mit kleinen Entscheidungen. Und manchmal bringen die echten Seelenfrieden. Ich grüße Sie mit dem alten Gruß der Franziskus-Bewegung: Pace e Bene - Frieden und Gutes.
Ihr Ronny Baier




